Archive for the ‘Tagesspiegel’ tag
Oberster Journalist erklärt die (online) Welt
Ja, ja das Internet. Die unendlichen Weiten von Information und Desinformation. Das Spielbecken von kleinen und großen Meinungsmachern und nicht zuletzt vielleicht sogar der Sargnagel in das Berufsbild Journalismus. Wer früher Journalist sein wollte, der musst sich durch Volontariarte oder im besten Fall Journalistenschulen in die Postion eines Lokalredakteurs oder wenn es sogar richtig gut läuft findet er sich in einer überregionalen, nationalen oder gar weltweiten Publikation wieder. Aber, aber, aber. Heute da ist jeder Journalist. Oder meint dies zumindest. Der quasi oberste deutsche Journalist ist Michael Konken. Er gab dem Tagesspiegel ein kurzes Interview, das meines Erachtens mehr aufzeigt, als es die Kürze des Textes vermuten lässt…
Herr Konken, woran liegt es, dass Journalisten im Internet voneinander abschreiben und sich zu sehr auf Google verlassen?
Vor zehn, fünfzehn Jahren hatten Journalisten 30 Prozent Recherchezeit. In Lokalredaktionen müssen sie inzwischen mit zehn Prozent auskommen. Auch bei regionalen Zeitungen hat sich die Zeit fürs Recherchieren halbiert. Das liegt unter anderem daran, dass vielerorts massiv Stellen gestrichen werden. Manche Redaktionen haben Schwierigkeiten, in Ruhe an ein Thema heranzugehen. Da liegt der schnelle Griff zum Internet nahe, vor allem, wenn es sich um seriöse Quellen handelt. (Quelle: Tagesspiegel 30. Juni 2008)
Meine kurze Frage: Welche seriösen Quellen meint Herr Konken? Und bedeutet seine Antwort, dass die Recherche Zeit immer darüber entscheidet, ob es qualitativ hochwertig ist oder nicht?

Farin Urlaub zu dies und das
Farin Urlaub, der charismatische Sänger der Band “Die Ärzte” hat sich im Tagesspiegel mit Sven Goldmann über Fans, Musik im Allgemeinen, “Die Ärzte”, Angst und Schrecken sowie noch viele andere Dinge des Lebens eines Musikers unterhalten. Herausgekommen ist ein typisches Farin Urlaub Interview mit viel Humor und solchen netten Passagen wie:
Von den Fans werden Sie als beste Band der Welt vergöttert. Wird das auf Dauer nicht langweilig? Oder ist ein Auftritt in Berlin noch was Besonderes?
Was Besonderes? Hallo? Natürlich! Ich kann noch so weit weg wohnen, aber ich werde immer ein Berliner bleiben. Das ist ja der Grundfehler, den die Schwaben machen, wenn sie aus ihrem Dorf hierher ziehen und sagen: „Ich bin ein Berliner!“ Nee, Alter, biste eben nicht. Du bist und bleibst ein Schwabe, der in Berlin wohnt.
Quelle: Tagesspiegel 28.05.2008
1A Schwaben-Bashing! Ob Elke auch aus dem Schwabenländle kommt?

Gen-Mais, Milchpreise und Erzeuger
Der deutsche oberste Landwirt heißt Gerd Sonnleitner. Er ist Präsident des deutschen Bauernverbandes. Wenn er nicht gerade Tageszeitungen oder anderen Medien ein Interview gibt, ist er Landwirt und kümmert sich um Schweine und Rinder. Jetzt hat er seine Arbeitskleidung gegen den Funktionärsanzug getauscht und dem Tagesspiegel vom 19. Mai 2008 ein Interview über Gen-Mais, Biosprit und Milchpreise gegeben. Neben den üblichen Erklärungen, dass die Landwirte so wenig verdienen, sagt Herr Sonnleitner aber auch interessante Dinge wie:
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat wegen der hohen Lebensmittelpreise ein Moratorium für die Biospritproduktion gefordert.
Mir wird das Thema Bioenergie zu negativ diskutiert. Es geht schließlich auch um Klimaschutz und Energiesicherung. Wir sind dafür, dass man das Biokraftstoffquotengesetz in der alten Form, das bis 2015 einen Biokraftstoffanteil von acht Prozent vorsieht, aufrechterhält…
… die EU will bis 2020 zehn Prozent …… aber mehr braucht es nicht. Wir waren auch früher schon immer vorsichtig mit zu ambitionierten Zahlen. Nach der Einführungsphase muss der Markt entscheiden. Wir sehen schon jetzt, dass die meisten Bioethanolanlagen in Deutschland nur mit halber Kraft fahren. Die Nahrungsmittelproduktion ist bei den Preisen eindeutig wirtschaftlicher.
Quelle: Tagesspiegel 18.05.2008
Natürlich muss ein Vorsitzender des Bauernverbandes etwas zu Milchpreisen sagen:
Im Gegensatz zu den Bauern sind viele Verbraucher glücklich über die günstige Milch. Wie lange wird das so bleiben?
Wir rechnen damit, dass die Milch im Sommer oder Frühherbst wieder teurer wird. Auch Bauern sind Verbraucher. Aber was nützt es, wenn die Milchbauern wegen zu niedriger Erzeugerpreise die Produktion aufgeben und die Verbraucher von Importen abhängig werden. Die Preisschwankungen wären größer, das Angebot kleiner. Bei der Energie erleben wir, dass bei Importabhängigkeit die Preise stetig steigen. Da steht auch der Lebensmittelhandel in gewisser Verantwortung.
Quelle: Tagesspiegel 18.05.2008

Oskar weiterhin auf Interview-Tingel-Tour
So langsam sollten Tour-T-Shirts von Oskar Lafontaine in Auftrag geben werden. Hat er bereits der Taz am 9. Mai ein Interview gegeben, so ist der Tagesspiegel am 18. Mai dran. Das Taz Interview habe ich auf Lesenswert24.de beleuchtet.
Beim Tagesspiegel sagt er eigentlich auch nicht viel Neues. Die üblich verdächtigen Worthülsen und das Kohlsche Nicht-Beantworten von Fragen sind auch hier auf der Tagesordnung.
Aber Sie haben kein Grundsatzprogramm, das über den Tag hinausgeht. Wollen Sie die Wähler lieber im Ungewissen lassen?
Wir haben programmatische Eckpunkte, in denen alles Wichtige geregelt ist. Sie wurden durch Mitgliederentscheid verabschiedet. In der Außenpolitik lehnen wir Krieg ab und achten auf das Völkerrecht. In der Innenpolitik wollen wir die Zerstörung des Sozialstaates ersetzen durch eine Politik, die den Arbeitnehmern wieder Reallohnzuwächse zugestehen will und den Rentnerinnen und Rentnern eine armutsfeste Rente.
Ist nicht wirklich eine Antwort auf die Frage: “Wollen Sie die Wähler im Ungewissen lassen?” oder?
Sie wollen 2009 Ministerpräsident im Saarland werden, und bei den Bundestagswahlen will die Linke wieder mit zweistelligem Ergebnis ins Parlament einziehen. Kann eine linke Partei sich leisten, ohne Programm anzutreten?
Dass wir kein Programm haben, ist Propaganda unserer Gegner. Wir verändern mit unserem Programm die deutsche Politik. Nehmen Sie die Steuerpolitik. Da kopiert die CSU unsere Vorschläge: Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen, die Wiedereinführung der Pendlerpauschale und die Erhöhung des Grundfreibetrags. Das Mindeste, was CDU/CSU noch vor der Bundestagswahl von uns übernehmen müssten, wäre die Beseitigung der kalten Steuerprogression. Unser Antrag dazu liegt im Bundestag. Ohne einen inflationsbereinigten Steuertarif müssen die Arbeitnehmer allein von 2006 bis 2012 über 60 Milliarden Euro zusätzlich bezahlen.
Auf die Feststellung, dass der Herr Lafontaine saarländischer Ministerpräsident werden will, geht er nicht ein. Und zur Höhe von kommenden Wahlergebnisse auch nicht. Nur – wie gewohnt – auf die CSU Forderung nach einer Steuersenkung und die übliche Wiedereinführung der Pendlerpauschale. Gegenfinanzierung: Fehlanzeige.
Quelle für das Interview: Tagesspiegel 18. Mai 2008

Arbeitslos und trotzdem Luxus
“Der Staat ist leider leicht zu betrügen!” diese Aussage stammt vom Pressesprecher der Agentur für Arbeit. Kurt Eikemeier gibt dem Tagesspiegel vom 08.05.2008 ein Interview. Der konkrete Anlass ist der Auftakt zu einem Prozess, bei dem zwei Männer vor Gericht stehen, die trotz Arbeitslosenunterstützung in Saus und Braus gelebt haben. Sie nannten unter anderem zwei Motoryachten und diverse Autos ihr Eigen.
Wie konnte der Arbeitsagentur der Wohlstand der Männer verborgen bleiben? Bekommt jeder Geld vom Staat, der behauptet, er sei pleite – ohne Prüfung?
Es ist leider wirklich nicht schwer, den Staat zu betrügen, besonders bei Sachvermögen. Eine Yacht kann man sehr gut unterschlagen. Es werden zwar Angaben überprüft, aber die Mitarbeiter in den Jobcentern können nicht alles checken – dafür fehlen einfach die Leute. Also bleibt es bei Stichproben. Manche fliegen auch auf, weil sie sich selbst verraten – etwa mit einem dicken Auto vorfahren. (Quelle: Tagesspiegel 08.05.2008)

